KI-Schulungspflicht im Unternehmen: Welche Möglichkeiten es gibt, die Anforderungen des EU AI Act zu erfüllen
08.03.2026
Inhaltsverzeichnis
- KI-Kompetenz im Unternehmen: Hintergrund und Bedeutung im Kontext des EU AI Act
- Was der EU AI Act von Unternehmen verlangt: AI Literacy und Schulungspflichten
- Welche Mitarbeiter im Unternehmen KI-Kompetenz benötigen
- Welche Möglichkeiten Unternehmen haben, KI-Kompetenz aufzubauen
- E-Learning, Workshops oder interne Schulungen: Einordnung der wichtigsten Schulungsformate
- Wie Unternehmen KI-Schulungen organisatorisch umsetzen können
- Dokumentation, Governance und Compliance beim KI-Einsatz im Unternehmen
- Besonderheiten für Unternehmen in Österreich
- Warum KI-Kompetenz zunehmend Teil der Unternehmensstrategie wird
- FAQ
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) nimmt in vielen Unternehmen kontinuierlich zu. Generative KI-Tools, automatisierte Analysen oder KI-gestützte Entscheidungsunterstützung werden heute in Bereichen wie Marketing, Personalwesen, Kundenservice oder Datenanalyse eingesetzt.
Mit dieser Entwicklung steigen jedoch auch die regulatorischen Anforderungen. Der europäische AI Act verpflichtet Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen oder bereitstellen, Maßnahmen zu ergreifen, um ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz innerhalb der Organisation sicherzustellen. Diese Verpflichtung betrifft nicht nur Entwickler oder IT-Abteilungen, sondern eine Vielzahl von Rollen im Unternehmen.
Für Unternehmen stellt sich daher zunehmend die Frage, wie sich diese Anforderungen praktisch umsetzen lassen. Der folgende Beitrag erläutert den rechtlichen Hintergrund und zeigt auf, welche Möglichkeiten Unternehmen haben, KI-Kompetenz systematisch aufzubauen.
KI-Kompetenz im Unternehmen: Hintergrund und Bedeutung im Kontext des EU AI Act
Der EU AI Act verfolgt einen risikobasierten Ansatz zur Regulierung von KI-Systemen im europäischen Binnenmarkt. Neben technischen Anforderungen an bestimmte KI-Systeme enthält die Verordnung auch organisationsbezogene Pflichten für Unternehmen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Konzept der sogenannten AI Literacy, also der KI-Kompetenz von Personen, die mit KI-Systemen arbeiten oder deren Einsatz verantworten. Ziel dieser Regelung ist es, sicherzustellen, dass KI-Systeme sachgerecht eingesetzt und potenzielle Risiken angemessen erkannt werden.
Im Unternehmenskontext bedeutet dies, dass Mitarbeitende über grundlegende Kenntnisse zu Funktionsweise, Grenzen und Risiken von KI verfügen sollten. Dazu gehört etwa ein Verständnis dafür,
- wie KI-Systeme trainiert werden,
- welche Rolle Trainingsdaten spielen,
- welche Risiken etwa durch Bias oder Fehlinterpretationen entstehen können,
- und welche rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten sind.
Damit wird KI-Kompetenz zunehmend zu einem Bestandteil moderner Unternehmensorganisation.
Was der EU AI Act von Unternehmen verlangt: AI Literacy und Schulungspflichten
Der rechtliche Ausgangspunkt für die KI-Kompetenzpflicht findet sich insbesondere in Art. 4 des EU AI Act. Danach müssen Anbieter und Anwender von KI-Systemen Maßnahmen ergreifen, um ein angemessenes Maß an KI-Kompetenz bei den Personen sicherzustellen, die KI-Systeme nutzen oder überwachen.
Die Verpflichtung ist bewusst flexibel formuliert. Unternehmen sollen die Maßnahmen an den jeweiligen Einsatzkontext anpassen. Relevant sind dabei unter anderem:
- Art und Risiko der eingesetzten KI-Systeme
- Vorwissen und Qualifikation der Mitarbeitenden
- Rolle der betroffenen Personen im KI-Prozess
- mögliche Auswirkungen auf Nutzer, Kunden oder betroffene Personen
Eine einheitliche gesetzliche Pflicht zu bestimmten Schulungsformaten oder Zertifizierungen existiert nicht. Vielmehr liegt es in der Verantwortung der Unternehmen, geeignete organisatorische Maßnahmen zu entwickeln.
Seit 2. Februar 2025 gelten die Anforderungen an AI Literacy im EU-Rechtsraum bereits als unmittelbar anwendbare Verpflichtung. Unternehmen sollten daher prüfen, ob ihre Mitarbeitenden über ausreichende Kenntnisse im Umgang mit KI verfügen.
Welche Mitarbeiter im Unternehmen KI-Kompetenz benötigen
Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, dass KI-Schulungen ausschließlich für technische Teams relevant seien. In der Praxis betrifft der Kompetenzaufbau jedoch deutlich mehr Personengruppen.
Zu den typischen Zielgruppen für eine KI-Schulung im Unternehmen gehören beispielsweise:
- Mitarbeitende, die KI-Tools im Arbeitsalltag nutzen
- Personen, die Ergebnisse von KI-Systemen interpretieren oder weiterverwenden
- Führungskräfte, die über den Einsatz von KI entscheiden
- HR-Abteilungen, etwa beim Einsatz KI-gestützter Recruiting-Tools
- Compliance- und Datenschutzverantwortliche
- IT-Abteilungen und Systemverantwortliche
- externe Dienstleister oder Berater, die im Auftrag des Unternehmens mit KI arbeiten
Je nach Rolle unterscheiden sich jedoch die erforderlichen Kompetenzniveaus. Während Fachanwender häufig grundlegende Kenntnisse zu Funktionsweise und Risiken benötigen, kann für technische oder regulatorische Rollen ein vertieftes Verständnis erforderlich sein.
Welche Möglichkeiten Unternehmen haben, KI-Kompetenz aufzubauen
Unternehmen verfügen über verschiedene Möglichkeiten, KI-Kompetenz im Unternehmen aufzubauen und damit regulatorische Anforderungen zu adressieren. In der Praxis werden häufig mehrere Ansätze miteinander kombiniert.
Zu den wichtigsten Instrumenten gehören:
Strukturierte Schulungsprogramme
Viele Unternehmen etablieren formale Schulungsprogramme zum Umgang mit KI. Diese können sowohl Grundlagenwissen als auch rollenbezogene Inhalte vermitteln, etwa zur Nutzung generativer KI oder zur Bewertung von KI-Ergebnissen.
Richtlinien und interne Leitlinien zum KI-Einsatz
Neben Schulungen spielen auch interne Richtlinien eine wichtige Rolle. Solche Policies können beispielsweise festlegen:
- welche KI-Tools im Unternehmen verwendet werden dürfen
- wie mit sensiblen Daten umzugehen ist
- welche Freigabeprozesse bei neuen KI-Anwendungen erforderlich sind
Integration in Onboarding-Programme
Neue Mitarbeitende können bereits im Rahmen des Onboardings grundlegende KI-Training-Maßnahmen erhalten. Dies hilft, ein einheitliches Verständnis für den Umgang mit KI im Unternehmen zu schaffen.
Kontinuierliche Weiterbildungsprogramme
Da sich KI-Technologien und regulatorische Anforderungen schnell weiterentwickeln, empfiehlt sich häufig ein kontinuierlicher Lernansatz. Dazu gehören etwa regelmäßige Auffrischungsschulungen oder themenspezifische Vertiefungen.
Aufbau interner Kompetenznetzwerke
Einige Unternehmen etablieren interne Ansprechpartner oder sogenannte „AI Champions“. Diese fungieren als Multiplikatoren für Wissen und unterstützen Fachabteilungen bei Fragen zum KI-Einsatz.
E-Learning, Workshops oder interne Schulungen: Einordnung der wichtigsten Schulungsformate
Für die praktische Umsetzung einer EU AI Act Schulung stehen unterschiedliche Formate zur Verfügung. Jedes dieser Formate hat spezifische Stärken und Grenzen.
E-Learning und Online-Schulungen
E-Learning-Programme ermöglichen eine skalierbare KI-Schulung für Mitarbeiter. Inhalte können zeit- und ortsunabhängig vermittelt werden, was insbesondere für größere Organisationen mit vielen Mitarbeitenden von Vorteil ist.
Typische Inhalte solcher Programme sind:
- Grundlagen zu KI und maschinellem Lernen
- Risiken generativer KI
- Datenschutz und Informationssicherheit
- praktische Leitlinien für den Arbeitsalltag
E-Learning eignet sich besonders für die Vermittlung von Basiswissen und Awareness-Themen.
Online-Live-Trainings und Webinare
Virtuelle Trainingsformate verbinden Reichweite mit Interaktivität. Sie ermöglichen Diskussionen, Fallbeispiele und Fragen aus der Praxis.
Solche Formate werden häufig eingesetzt, um spezifische Anwendungsfälle oder regulatorische Themen zu vertiefen.
Präsenztrainings und Workshops
Workshops oder Präsenztrainings bieten Raum für intensive Diskussionen und praktische Übungen. Sie eignen sich insbesondere für komplexe Themen wie:
- Entwicklung interner KI-Governance-Strukturen
- Bewertung von Risiken bestimmter KI-Anwendungen
- Aufbau organisationsspezifischer Prozesse
Allerdings sind diese Formate organisatorisch aufwendiger.
Interne Schulungen durch Fachexperten
Unternehmen mit eigener KI-Expertise setzen häufig auf interne Schulungen durch Fachabteilungen oder zentrale Kompetenzteams.
Diese Formate ermöglichen eine besonders praxisnahe Vermittlung, da sie direkt auf unternehmensspezifische Prozesse und Tools eingehen.
Wie Unternehmen KI-Schulungen organisatorisch umsetzen können
Die Einführung von KI-Weiterbildung für Mitarbeiter erfordert in der Regel eine koordinierte Zusammenarbeit mehrerer Unternehmensbereiche.
Typischerweise sind folgende Funktionen beteiligt:
- Management: strategische Priorisierung und Ressourcenbereitstellung
- HR-Abteilungen: Planung und Integration von Schulungen in Weiterbildungsprogramme
- IT-Abteilungen: technische Bewertung und Unterstützung bei KI-Systemen
- Compliance und Datenschutz: Definition regulatorischer Mindestanforderungen
- Fachabteilungen: Identifikation konkreter Anwendungsfälle
Ein strukturierter Ansatz umfasst häufig folgende Schritte:
- Analyse der eingesetzten KI-Systeme
- Identifikation relevanter Zielgruppen
- Festlegung von Schulungsinhalten
- Auswahl geeigneter Schulungsformate
- regelmäßige Aktualisierung der Inhalte
Ein solcher Prozess kann Teil einer umfassenderen AI Governance im Unternehmen sein.
Dokumentation, Governance und Compliance beim KI-Einsatz im Unternehmen
Neben der Durchführung von Schulungen spielt auch deren Dokumentation eine wichtige Rolle. Unternehmen sollten nachvollziehbar festhalten,
- welche Schulungen durchgeführt wurden
- welche Inhalte vermittelt wurden
- welche Mitarbeitenden teilgenommen haben
- welche Zielgruppen adressiert wurden
Diese Dokumentation kann insbesondere im Rahmen von Audits oder behördlichen Prüfungen relevant sein.
Darüber hinaus wird empfohlen, KI-Schulungen in übergeordnete AI Compliance- und Governance-Strukturen einzubetten. Dazu können etwa gehören:
- zentrale KI-Richtlinien
- Risikoanalysen für KI-Anwendungen
- interne Freigabeprozesse
- Monitoring und regelmäßige Evaluierung von KI-Systemen
Besonderheiten für Unternehmen in Österreich
Für Unternehmen in Österreich gelten die Anforderungen des EU AI Act unmittelbar als Teil des europäischen Rechtsrahmens.
In der praktischen Umsetzung überschneiden sich die Anforderungen häufig mit bestehenden Regelwerken, insbesondere:
- der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)
- IT-Sicherheitsanforderungen
- arbeitsrechtlichen Schutzpflichten
- internen Compliance-Strukturen
In vielen Unternehmen lassen sich KI-Schulungen daher sinnvoll in bestehende Programme zur Datenschutz- oder IT-Sicherheits-Schulung integrieren.
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen kann zudem der Aufbau externer Schulungsangebote oder Kooperationen mit spezialisierten Anbietern eine Rolle spielen.
Warum KI-Kompetenz zunehmend Teil der Unternehmensstrategie wird
Der Aufbau von KI-Kompetenz im Unternehmen ist nicht nur eine regulatorische Frage. In vielen Organisationen wird er zunehmend als strategischer Faktor betrachtet.
Unternehmen, deren Mitarbeitende KI-Technologien verstehen und verantwortungsvoll einsetzen können, profitieren häufig von:
- effizienteren Arbeitsprozessen
- besserer Bewertung neuer Technologien
- geringeren Risiken bei KI-Anwendungen
- höherer Innovationsfähigkeit
KI-Schulungen entwickeln sich damit von einer reinen Compliance-Maßnahme zu einem Bestandteil moderner Unternehmensentwicklung.
FAQ
Was bedeutet KI-Schulungspflicht für Unternehmen nach dem EU AI Act?
Der EU AI Act verpflichtet Unternehmen, Maßnahmen zu ergreifen, um ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz bei Personen sicherzustellen, die KI-Systeme nutzen oder betreiben. Diese Verpflichtung ergibt sich insbesondere aus Art. 4 der Verordnung. Unternehmen müssen daher geeignete Schulungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen entwickeln, die auf den jeweiligen Einsatz von KI im Unternehmen abgestimmt sind.
Welche Rolle spielt AI Literacy im EU AI Act?
AI Literacy beschreibt im EU AI Act die Fähigkeit von Personen, KI-Systeme zu verstehen, deren Chancen und Risiken einzuschätzen und sie verantwortungsvoll zu nutzen. Dazu gehören technisches Grundverständnis, Bewusstsein für mögliche Fehlinterpretationen sowie Kenntnisse über rechtliche und ethische Rahmenbedingungen.
Welche Mitarbeiter im Unternehmen sollten im Umgang mit KI geschult werden?
Grundsätzlich sollten alle Personen geschult werden, die KI-Systeme nutzen, überwachen oder Entscheidungen auf Basis von KI-Ergebnissen treffen. Dazu zählen neben IT-Abteilungen häufig auch Fachbereiche, Management, HR-Abteilungen sowie Compliance- und Datenschutzverantwortliche.
Welche Möglichkeiten haben Unternehmen, KI-Kompetenz im Betrieb aufzubauen?
Unternehmen können KI-Kompetenz durch verschiedene Maßnahmen aufbauen, etwa durch E-Learning-Programme, Webinare, Workshops, interne Schulungen, Richtlinien zum KI-Einsatz sowie kontinuierliche Weiterbildungsprogramme. In der Praxis werden häufig mehrere dieser Ansätze miteinander kombiniert.
Reicht ein E-Learning aus, um die Anforderungen an KI-Schulungen zu erfüllen?
E-Learning kann ein wichtiger Bestandteil eines Schulungskonzepts sein, insbesondere für grundlegende Inhalte und Awareness-Themen. Ob ein reines E-Learning ausreichend ist, hängt jedoch vom konkreten Einsatz der KI-Systeme, dem Risikoprofil der Anwendungen und den Rollen der Mitarbeitenden im Unternehmen ab. In vielen Fällen wird eine Kombination verschiedener Schulungsformate eingesetzt.
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